Gelbwangen-Schopfgibbon

Region: Vietnam

Projektpartner: Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF)

Projektstatus Dieses Projekt läuft und kann finanziert werden.

Titelfoto:© Sven Peter

Meistersänger im Regenwald

Mit ihren lauten, weithin hörbaren Gesängen gehören sie zu den eindrucksvollsten Sängern in den tropischen Regenwäldern Asiens. Mal ertönen lange Duett-Arien in den frühen Morgenstunden, mal schallt ein helles Trillern durch den Regenwald. Dann schwingen sie sich, an ihren langen Armen hängend, wie geschickte Akrobaten rasant durch die Kronen der Baumriesen. Hier spielt sich auch ihr ganzes Leben ab. Denn Gibbons sind strikte Baumbewohner und ihr Lebensraum sind die Baumwipfel – hoch in der obersten Etage des Regenwaldes.

Wie viele andere Primatenarten auch zählen Gibbons zu den gefährdetsten Tieren der Welt. Darunter befinden sich auch der Nördliche und der Südliche Gelbwangen-Schopfgibbon (Nomascus annamensis/Nomascus gabriellae), zwei Gibbonarten, die in Süd-Vietnam, Laos und im Nordosten Kambodschas vorkommen. Die Gelbwangen-Schopfgibbons verdanken ihren Namen ihrer charakteristischen Färbung: Im Gegensatz zu den leuchtend hellgelben Weibchen und Jungtieren haben Männchen ein schwarzes Fell, nur ihre Wangen sind gelb.

Über den Gelbwangen-Schopfgibbon ist aktuell wenig bekannt und es gibt keine genauen Informationen, wie viele Tiere noch in freier Wildbahn überlebt haben. Doch aufgrund eines geschätzten Populationsrückgangs von mindestens 50 % in weniger als 50 Jahren wird die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft. Akuter Lebensraumverlust, Jagd für Fleisch, traditionelle Medizin und für den Haustierhandel gefährden das Überleben der letzten Vertreter dieser spektakulären Art und erfordern dringende Schutzmaßnahmen.

 

Gibbonschutz im „Nam Nung Nature Reserve“

In dem vietnamesischen Schutzgebiet „Nam Nung Nature Reserve “ wurde im Mai 2011 unter der Leitung eines Primatologen von der Universität für Forstwirtschaft in Hanoi ein Projekt zum Schutz des Südlichen Gelbwangen-Schopfgibbons gestartet.

Das Projektgebiet liegt im zentralvietnamesischen Hochland, etwa 350 km nord-östlich von Ho Chi Minh City (Saigon) entfernt. Hier leben mehr als 46 Säugetierarten, 173 Vogelarten und 46 Reptilienarten. 75 der dort vorkommenden Pflanzenarten und 78 der Tierarten sind als gefährdet oder vom Aussterben bedroht eingestuft. Außer dem Gelbwangen-Schopfgibbon ist das Vorkommen sieben anderer Primatenarten bekannt: Der Schwarzschenkel-Kleideraffe, vier Makaken- und zwei Loriarten leben in den Wäldern des Nam Nung Nature Reserve. Allerdings ist die reiche biologische Vielfalt der Wälder immer noch weitgehend unerforscht und sehr stark bedroht: Illegale Jagd und Abholzung gefährden die letzten Überlebenden und lassen die wertvollen Lebensräume schwinden.

 

Eine starke Partnerschaft zum Schutz des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons

Im Juni 2016 startete die Stiftung Artenschutz zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) ein Partnerprojekt zur Rettung des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbon und seines Lebensraums. Das Projekt findet im Kon Ka Kinh Nationalpark statt, einem Schutzgebiet im zentralen Bergland von Vietnam. Die ZGF ist dort schon seit längerer Zeit tätig und unterstützt die Verwaltung des Nationalparks bei der Kontrolle und dem Management des ca. 42.000 Hektar großen Gebietes.

Kern der Arbeit vor Ort ist die Erfassung der aktuellen Situation und Verbreitung des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons in dem Nationalpark und seiner Pufferzone. Zu den umfangreichen Schutzmaßnahmen gehören auch die gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, um die lokale Bevölkerung für das Thema Wildtierjagd und Artenschutz zu sensibilisieren. Ein weiterer Bestandteil des Schutzprojektes ist die Erstellung eines Dokumentarfilms über den Primatenschutz im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark.

 

Das Projekt zum Schutz des Gelbwangen-Schopfgibbons wird durch Spendensammlung von dem britischen Zooexperten und Buchautor Anthony Sheridan ermöglicht.

Die Stiftung Artenschutz dankt auch dem Verein Endangered für seine großzügige Spende.